Wie Sie einen Schaden durch Ackergifte melden

Um einen Schaden durch Ackergifte zu melden, nutzen Sie am besten den von PAN Germany bereitgestellten Online-Meldebogen, den Sie auf Wunsch auch anonym absenden können und der in wenigen Minuten ausgefüllt ist. Auch eine Version zum Ausdrucken und Einsenden per Post ist verfügbar.

Jede Pestizid-Meldung stärkt die politische Arbeit, die zum Verbot hochgefährlicher Gifte in freier Natur führen soll.

Weitere Informationen finden Sie bei PAN Germany: https://pan-germany.org/pestizide-uebersicht/abdrift/

Wenn Sie alternativ einen Fall von Abdrift oder Fehlanwendungen persönlich melden möchten, finden Sie in den Amtlichen Auskunftsstellen für Pflanzenschutz der Länder die zuständigen Ansprechpartner und -Partnerinnen. Was die genauen Zuständigkeiten der Landesämter betrifft, gibt es regionale Unterschiede, die im Zweifelsfall beim Landwirtschaftsministerium des jeweiligen Bundeslands erfragt werden können.

Wie Sie einen Schaden durch Ackergifte dokumentieren

Um die Politik für Schäden durch Ackergifte zu sensibilisieren und eine wissenschaftliche und juristische Aufarbeitung zu ermöglichen, ist es wichtig, die auftretenden Fälle nicht nur zu melden, sondern auch zu sammeln und möglichst umfangreich und genau zu dokumentieren. Wie das geht, erklären wir hier.

1. Beobachtung von Veränderungen von Pflanzen in Garten und Natur

Wenn Sie in Ihrem Garten oder in der in der Natur verfärbte Pflanzen entdecken, könnte das unter anderem an den Wirkstoffen Glyphosat oder Clomazone liegen, die auf einem benachbarten Acker ausgebracht worden sind.
Glyphosat färbt Gräser gelb, Clomazone färbt empfindliche Pflanzen vom Blattzentrum ausgehend weiß, besonders auffällig bei Vogelmiere, Kerbel, Brombeeren, Rosen, Holunder.

  • Füllen Sie den Online-Meldebogen des Pestizid-Aktionsnetzwerks (PAN) aus und geben Sie dort an, an welchem Ort und auf welcher Fläche Sie die Abdrift beobachtet haben, ob Schäden an Pflanzen aufgetreten sind und ob Menschen gesundheitlich beeinträchtigt wurden. Jeder ausgefüllte Bogen stärkt die politische Arbeit, die zum Verbot hochgefährlicher Gifte in freier Natur führen soll. Sie können den Meldebogen auch anonym abgeben.
  • Wenn Sie sich darüber hinaus engagieren möchten, rufen Sie das örtliche Pflanzenschutzamt an und bestehen Sie auf einen Ortstermin.
  • Verlangen Sie, dass die Pflanzen untersucht werden, damit nachvollziehbar wird, welches Mittel die Verfärbung bzw. das Absterben verursacht hat.
  • Suchen Sie das Gespräch mit dem Landwirt, der den Schaden verursacht hat. Vermeiden Sie Konfrontation! Nicht die Landwirte sind das Problem, sondern die Konzerne, die diese Mittel produzieren, und die Behörden, die sie zulassen. Die Landwirte setzen sie in der Regel gemäß »guter fachlicher Praxis« ein. Die Schwierigkeit besteht darin, dass die Mittel teilweise so problematisch sind, dass sie trotz vorgeschriebener Anwendungsmethode enorme Schäden verursachen.
2. Beobachtung von gesundheitlichen Beschwerden

Wie gehe ich vor, wenn ich oder meine Familienmitglieder gesundheitliche Beschwerden hatten, nachdem in unmittelbarer Nähe zum Aufenthaltsort ein Feld mit Ackergiften gespritzt wurde?

  • Am besten suchen Sie sofort den Arzt oder die Ärztin ihres Vertrauens auf und lassen dort eine Blutprobe nehmen. Geben Sie auch eine Urinprobe ab. Im Idealfall ist der Arzt oder die Ärztin bereit, beides fachgerecht einzufrieren, so dass im Verlauf der folgenden Recherchen untersucht werden kann, welches Gift hier wirksam war.
  • Um herauszufinden, von welchem Mittel Sie betroffen waren, wenden Sie sich freundlich an Ihren Landwirt. Er ist nicht verpflichtet, Bürgerinnen und Bürgern Auskunft zu erteilen, aber wenn Sie kooperativ sind und ihm vermitteln, dass Sie seinen Betrieb nicht an den Pranger stellen werden, könnte er es Ihnen mitteilen. Diese Information ist die Grundlage zur Analyse der Blutprobe.
  • Wenn der Landwirt nicht bereit ist, Ihnen das verwendete Ackergift zu nennen, wenden Sie sich an das örtliche Pflanzenschutzamt. Dringen Sie darauf, dass von Seiten des Amts das Mittel in Erfahrung gebracht wird. In der Regel werden Sie dort nicht auf Verständnis stoßen, denn so ein Vorgang verursacht Arbeit, und das Pflanzenschutzamt wird sie davon zu überzeugen versuchen, dass die Mittel im Prinzip unschädlich sind. Lassen Sie sich nicht abwimmeln. Sie haben ein Recht auf diese Information. Wenn Sie das Pflanzenschutzamt nicht zur Kooperation bewegen können, schreiben Sie eine E-Mail an beratung@ackergifte-nein-danke.de. Womöglich gibt es Mittel – z.B. durch Öffentlichkeitsarbeit –, das Pflanzenschutzamt zum Handeln zu bewegen.
  • Wenden Sie sich an das Gesundheitsamt, und legen Sie den dortigen Mitarbeitern nahe, dass Sie den dringenden Verdacht haben, durch ein Ackergift geschädigt worden zu sein. Stellen Sie sich darauf ein, dass Sie Unverständnis ernten. Ackergifte gelten in den Behörden als ungefährlich. Vermutlich werden die dortigen MitarbeiterInnen sagen, ihre unspezifischen Symptome ließen sich auf eine aktuelle Grippewelle etc. zurückführen. Lassen Sie sich davon nicht beeindrucken, und sprechen Sie mit den Behörden über die Möglichkeit, den Zusammenhang zwischen Gesundheitsbeschwerden und Ackergiften langfristig zu untersuchen.
  • Sollte der Landwirt oder die Landwirtin in Ihrer Nachbarschaft bereit sein, regelmäßig darüber zu informieren, welche Mittel er oder sie anwendet, und wären Sie, sowie Anwohner und Anwohnerinnen in der Nachbarschaft bereit, parallel ihren Gesundheitszustand zu dokumentieren, wäre dies ein wichtiger Schritt. Im Umfeld der Kampagne ›Ackergifte? Nein danke!‹ sind engagierte Wissenschaftler und Forscherinnen tätig, die seit langem auf eine solche Konstellation warten und bereit sind, eine Langzeitstudie durchzuführen.
  • Beschreiben Sie Ihre Symptome auf dem Meldebogen von PAN Germany.
  • Es hilft allen, wenn Sie die Geschichte Ihres Falls aufschreiben und wir sie auf www.landwende.de veröffentlichen dürfen – gerne auch anonym.
3. Beobachtung von Fehlanwendung

Fehlanwendung – das kann beispielsweise bedeuten, dass Sie beobachten, wie ein Spritzenfahrzeug bereits außerhalb des Felds seine Düsen öffnet und die Landschaft vergiftet, dass Sie auf Feldern tote Zonen entdecken, die offenbar durch eine Überdosierung an Gift verursacht wurden, oder dass sie beobachten, wie beim Befüllen eines Tanks größere Mengen Gift verschüttet oder Kanister nicht ordnungsgemäß entsorgt werden.

  • Rufen Sie das örtliche Pflanzenschutzamt an, und erzählen Sie von Ihrer Beobachtung. Bestehen Sie auf einem Ortstermin. Wenn das Amt sich nicht kooperativ verhält, nehmen Sie über beratung@ackergifte-nein-danke.de Kontakt mit uns auf.

  • Achten Sie darauf, keinen offenen Konflikt mit dem lokalen Landwirt oder der Landwirtin auszulösen. Durch eine solche Konfrontation lässt sich in der Regel nichts zum Besseren wenden, sondern sie belastet die Nachbarschaft unnötig. Selbst wenn Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Landwirts oder der Landwirtin fahrlässig gehandelt haben sollten, gilt: Nicht die Praxis der agrarindustriellen Betriebe ist das zentrale Problem, sondern die Agrarpolitik, die diese Mittel zulässt. Lösungen müssen auf politischer Ebene herbeigeführt werden!