Ackergifte sind überall!

Neue bundesweite Studie belegt massive Verbreitung von Ackergiften in ganz Deutschland weit abseits von Äckern. Was bedeuten die Ergebnisse? Welche Ort sind besonders belastet? Welche Menschen haben die Studie getragen?

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Neue bundesweite Studie belegt massive Verbreitung von Ackergiften in ganz Deutschland weit abseits von Äckern. Wir müssen handeln!

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8 Wahrheiten über Ackergifte

Es war einmal ein vergifteter Apfel…

Wenn es um Ackergifte geht, hören wir häufig die fantasievollsten Märchen. Von doppelt und dreifach geprüften, unverzichtbaren Stoffen, die bloß Pflanzen »schützen«. Von Agrarmanagern, die mit dem Tablet in der Hand punktgenau die Ernte sichern. Vom friedlichen Zusammenleben von Agroindustrie und bäuerlicher Bio-Landwirtschaft.

Doch die Wahrheit sieht anders aus…

Ackergifte sind chemische Substanzen, die gegen Pflanzen (Herbizide), Pilze (Fungizide), Insekten (Insektizide) und Mikroorganismen (Pestizide) auf den Äckern ausgebracht werden. Darunter sind hochgiftige Wirkstoffe, die nicht nur Bienen töten und Menschen gesundheitlich schädigen. Sie vernichten auch viele andere Insekten und Wassertiere, schädigen das Bodenleben und belasten das Trinkwasser und die auf dem Acker angebauten Lebensmittel. Der Einsatz von Ackergiften in der Agrarindustrie hat unter anderem dazu beigetragen,

  • dass jeder zweite Feldvogel ausgestorben ist,
  • dass fast die Hälfte der Arten in den Ackergewässern verloren gegangen ist,
  • dass weltweit eine Vielzahl von Insekten gefährdet ist oder diese gar verschwinden,
  • dass auf vielen Ackerflächen kein Humus mehr entsteht,
  • dass durch Wasser- und Winderosion kostbarer Boden verlorengeht

Menschen erleiden gesundheitliche Beschwerden, die jedoch bisher nur in besonders schweren Einzelfällen als Folgen von Vergiftungen mit Spritzmitteln anerkannt wurden.

Die in der modernen Agrarwirtschaft eingesetzten Ackergifte stehen nicht nur im Verdacht, sich durch den Verzehr im tierischen und menschlichen Körper anzusammeln und gesundheitliche Schädigungen hervorzurufen. Studien, die das Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft und das Umweltinstitut München in Auftrag gegeben haben, nähren den Verdacht, dass sich bestimmte Wirkstoffe flächendeckend ausbreiten und von Menschen in Stadt und Land gleichermaßen ständig eingeatmet werden.
Bei letzterem spricht man von Verfrachtung, die durch Witterungseinflüsse hervorgerufen wird, bei denen kleinste Mengen von Wirkstoffen zusammen mit Staubteilchen oder als Aerosole, ein Gemisch aus Schwebeteilchen, in die höheren Luftschichten aufsteigen und mit der Windbewegung und Niederschlägen weit verbreitet werden. Hier einen Nachweis der Gesundheitsschädigung führen zu wollen, ist sehr schwierig und bleibt einstweilen weiteren Forschungen vorbehalten.

Viel näher an der Nachweisbarkeit sind Schädigungen durch die sogenannte Abdrift. Bei der Ausbringung von Pestiziden kann es dazu kommen, dass der feine Sprühnebel verweht wird. Das Ackergift wird so vom Ort der Anwendung wegtransportiert und schlägt sich – mitunter in mehreren Hundert Metern Entfernung – auf Nachbarflächen, in Gewässern, Gehölzen, Wäldern oder Gärten nieder. Das nennt man Pestizid-Abdrift. Auch durch Fehlanwendungen und Unfälle kommt es häufig zu direkter Kontaminierung mit den oftmals hochgiftigen Substanzen.
Von Pestizid-Abdrift kann jede und jeder betroffen sein. Über Abdrift gelangt der Sprühnebel auf Obst und Gemüse in Gärten von Anrainern und auf Spielflächen von Kindern. Menschen, die sich gern in der Natur aufhalten, wie Spaziergänger, Joggerinnen und Radfahrer, geraten ungewollt in den Sprühnebel frisch behandelter Felder. Wer sich in der Landschaft aufhält, kann unfreiwillig zum Zeugen oder der Zeugin fehlerhafter Anwendung werden, wenn bei starkem Wind gespritzt wird oder Wege, Raine, angrenzende Gehölze oder Gewässer mitgespritzt werden. Auch warme Witterung kann ein Auslöser von Abdrift sein. Der Wirkstoff Clomazon wird etwa schon bei Boden- und Lufttemperaturen ab etwa 18 Grad Celsius gasförmig. Das Gas steigt auf, wird bereits durch schwache Luftbewegungen davongetragen und sinkt durch Luftabkühlung wieder zu Boden.

Bio-Betriebe, die in Nachbarschaft zu konventionellen Betrieben liegen, kennen das Problem, dass ihre Anbaufrüchte durch Pestizide von Nachbarflächen kontaminiert werden. Um maximale Wirkung auf die unerwünschten Lebewesen zu erzielen, ist es sogar erwünscht, dass manche Giftstoffe über mehrere Tage in Bodennähe verfügbar sind. Daher ist bei vielen Spritzmitteln die Wetterlage genau zu beachten. Da die Landwirtschaftsbetriebe über die Ausbringung Buch führen müssen, kann in der Regel rekonstruiert werden, welche Wind- und Temperaturverhältnisse zur Zeit der Ausbringung und danach vorherrschend waren.

Literatursammlung

Literatursammlung
Möchten Sie mehr über den Verlust der Biodiversität, Bodendegradation und den Auswirkungen von Ackergiften auf den Menschen und die Umwelt wissen? Hier haben wir weiterführende Informationen für Sie zusammengestellt.

Verlust der Biodiversität

  • BirdLife international (2015): European Red List of Birds. Luxembourg: Office for Official Publications of the [PDF]
  • Hallman, C.A., Sorg, M., Jongejans, E., Siepel, H., Hofland,N., Schwan, H., et al. (2017): More than 75 Perzent decline over 27 years in total flying Insekt biomass in protected areas, in: PLoS ONE 12 (10). [PDF]; Siehe hierzu auch: Willinger, G: (2017): Ohne Insekten bricht alles zusammen, in: Zeit online. [online]
  • IPBES (2016): The assessment report of the Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services on pollinators, pollination and food production. Potts, S.G., Imperatriz-Fonseca, V. L., Ngo, H. T. (Hrsg.). Secretariat of the Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem-Services, Bonn. [PDF]
  • NABU (2019): Neu Daten: Seit 1980 verschwand mehr als jeder zweite Feldvogel in Europa. [online]
  • NABU (o.J.): Das große Vogelsterben. Interview mit Vogelexperten Lars Lachmann.[online]
  • UBA (2015): Gefährdung der Biodiversität.[online]

Humusverlust und Bodenerosion

  • Jacobs, A., Flessa, H., Don A., Heidkamp, A., Prietz, R., Dechow, R., Gensior, A., Poeplau C., Riggers, C., Scheider, F., Tiemeyer, B., Vos, C., Wittnebel, M., Müller, T., Säuerlich, A., Fahrion-Nitschke, A., Gebbert, S., Jaconi, A., Kolata, H., Laggner, A., et al. (2018): Landwirtschaftlich genutzte Böden in Deutschland – Ergebnisse der Bodenzustandserhebung. Johann Heinrich von Thünen-Institut, Thünen Rep. 64, Braunschweig. [PDF]; siehe hierzu auch: Maurin, J. (2018): Humus im Minus, in: taz. [online]
  • UBA (2019): Humusstatus der Böden. [online]
  • UBA (2019): Erosion. [online]

Wasserbelastung

  • Bio Mineralwasser (o. J.): Wie gefährdet ist die Reinheit unserer Wasservorkommen? [online]
  • Landesfischereiverband e.V., BUND Naturschutz in Bayern e.V., Landesbank für Vogelschutz in Bayern e.V., Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Fluss-Allianzen, WWF Deutschland (Hrsg.) (2017): Umweltverträgliche Landwirtschaft, sauberes Wasser, lebendige Bäche und Flüsse – Gemeinsames Positionspapier der Natur- und Umweltverbände in Bayern. [PDF]
  • UFZ (2013): Pestizide reduzieren die Artenvielfalt in Gewässern deutlich. [online]

Informationsangebote unserer Partner

Weitere wertvolle Informationen zu Abdrift hat das Umweltinstitut München aufbereitet.